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Ein Spielausschnitt schnell erklärt!

Vor Beginn eines Spielzugs treffen alle Offense-Spieler zu einem Huddle zusammen. Der Quarterback (Ballverteiler) gibt die taktischen Anweisungen für den ersten Spielzug durch. Er legt die Laufrouten für die Receiver (Passempfänger) fest, sagt die Gaps (Lücken in der Defensereihe des Gegners) an und gibt zusätzlich festgelegte Taktiken bekannt. Anschließend stellen sich alle Spieler an der Line of Scrimmage auf. Verkürzt auch Scrimmage-Line genannt, ist sie die unsichtbare Verlängerung der Stelle, an der der Ball vor Beginn eines Spielzugs liegt.

Nach einem festgelegten Kommando übergibt der Center den Ball durch seine Beine an den Quarterback. Jeder Angriffsspieler versucht nun seine Aufgabe zu erfüllen, um den Quarterback eine Anspielmöglichkeit für einen Raumgewinn zu geben. Dafür gibt es zwei Möglichkeiten – entweder durch einen Passspielzug oder einen Laufspielzug.

Passspielzüge

Ein Passspielzug wird durch einen Wurf des Quarterbacks auf einen legalen Receiver eingeleitet. Dieser Pass kann unvollständig (incomplete) sein, gefangen (Catch) oder von der Defense abgefangen (Interception) werden. Ein Pass ist incomplete wenn er den Boden berührt oder out of bounds ist (gefangen, ohne dass der Receiver beide Füße im Spielfeld hatte). Der nächste Versuch startet dann auf der Höhe der alten Ballposition.

Nach einem Catch darf der Spieler so weit laufen, wie er kann, bis er zu Boden gebracht wird oder das Spielfeld verlässt. Dann ist der Spielzug beendet. Eine Interception ist wie ein Catch, eben durch den Gegner.

Eine besondere Variante des Passspiels ist der sog. Lateral-Pass. Dabei wird der Ball parallel zur Line of Scrimmage bzw. nach hinten geworfen. Dies darf, ebenso wie sogenannte Handoffs, beliebig oft pro Spielzug wiederholt werden.

Laufspielzüge

Laufspielzüge werden durch ein Übergeben des Balls oder durch ein einfaches Zuwerfen (pitch/Lateral – kein Vorwärtspass) an einen Ballträger eingeleitet. Ballträger sind gewöhnlich Runningbacks (Halfback, Fullback). Es kann aber auch jeder andere Spieler der Offense sein – mit Ausnahme der Offensive Linemen. Der Ballträger versucht nun, so weit wie möglich vorwärts zu kommen, während seine Mitspieler die Verteidiger versuchen zu blocken. Der Spielzug endet mit einem Tackle oder dem Verlassen des Spielfeldes. Auch dem Quarterback ist es erlaubt, selbst als Ballträger zu fungieren und Raumgewinn zu erzielen (Scrambling).

1st and 10

Bezeichnet den ersten Versuch, 10 Yard Raumgewinn gut zu machen. Unser Team hat ihren Passspielzug incomplete beendet und kommt nun wieder zu einem Huddle zusammen. Es folgt nun der 2nd and 10, also der 2.Versuch für 10 Yards. Doch dieser wird durch ein Foul beendet. Wie geht es nun weiter?

Clockmanagement

Zunächst wird die Uhr gestoppt. Die Zeit wird immer bei einer Auszeit, nach einem Kick-Off, einem unvollständigen Pass, wenn der Ballträger out of bounds geht (das Spielfeld verlässt), nach erzielten Punkten, bei manchen Strafen und den zwei two-minute-warnings (zwei Minuten vor dem Ende jeder Halbzeit) angehalten.

Ein laufender Spielzug wird nicht unterbrochen, die Uhr wird in solchen Fällen erst nach Beendigung des Spielzugs gestoppt. Ein angefangener Spielzug wird immer fertig gespielt, auch wenn die Spielzeit im jeweiligen Quarter ausgelaufen ist. Die Uhr wird entweder bei Freigabe des nächsten Spielzuges oder erst beim Snap wieder gestartet.

Ein Spielzug muss situationsabhängig 40 Sekunden nach dem Ende des letzten Spielzug oder 25 Sekunden nach Ballfreigabe durch den Referee beginnen. Bei einem time out nach 60 Sekunden.

Strafen

Grundsätzlich werden Regelverstöße mit Yard-Strafen (Raumverlust) geahndet. Das gegnerische Team kann dabei meist entscheiden, ob es die Strafe annimmt (der Versuch wird mit dem entsprechenden Yard-Verlust wiederholt) oder ablehnt (der nächste Versuch wird ganz normal gespielt).

Wird durch eine Strafe gegen die Defense die line to gain (die Linie, die die Offense erreichen muss, um vier neue Versuche zu bekommen) erreicht, erhält die Offense ein neues First Down. Einige Strafen beinhalten auch ein automatisches First Down. Die Endzone kann allerdings durch Strafen nicht erreicht werden. Der Abstand zur Endzone wird maximal halbiert (half the distance to the goalline).

Oberste Priorität haben immer der Schutz der Spieler vor Verletzungen und die Kontrolle des Spielgeschehens.

Einige der wichtigsten Regelverstöße und die Strafen nach den NCAA-Regeln sind:

  • Illegal Formation (6 men on the line): Beim Snap müssen mindestens sieben Spieler der angreifenden Mannschaft an der Line of Scrimmage postiert sein.
    Strafe: 5 Yards, Wiederholung des Versuchs.
  • Illegal Shift: Die Offense muss vor dem Snap mindestens eine Sekunde in ihrer Formation verharren. Ausnahme: Der man in motion der Offense.
    Strafe: 5 Yards, Wiederholung des Versuchs.
  • Illegal Motion: In der Offense darf sich beim Snap nur ein Spieler, der sog. man in motion, im backfield bewegen – bis max. parallel zur Line of Scrimmage oder nach hinten.
    Strafe: 5 Yards, Wiederholung des Versuchs.
  • False start: Unmittelbar vor dem Snap bewegt sich einer der Offense-Spieler, außer dem man in motion.
    Strafe: 5 Yards, Wiederholung des Versuchs.
  • Encroachment: Ein Spieler der Offense (außer dem Snapper) befindet sich beim Snap in oder jenseits der neutralen Zone.
    Strafe: 5 Yards, Wiederholung des Versuchs.
  • Offside: Beim Snap befindet sich ein Defense-Spieler in oder jenseits der neutralen Zone und/oder berührt einen Offense-Spieler oder provoziert so, dass dieser eine Abwehrhaltung einnimmt.
    Strafe: 5 Yards.
  • Holding: Festhalten eines Spielers, der nicht Ballträger ist.
    Strafe: 10 Yards, wenn Holding durch die Offense oder die Defense. Wenn das Holding gegen einen berechtigten Receiver erfolgte und ein Pass geworfen wurde, dann zusätzlich automatic first down.
  • Pass Interference: Wenn der Ball in der Luft in fangbarer Nähe ist, darf ein Spieler nicht am Fangen gehindert werden. Das betrifft keine Zusammenstöße beim Versuch zu fangen. Wenn die Offense eine Pass Interference macht, gibt es 15 Yards vom Previous Spot und der Versuch wird wiederholt.
    Strafe für die Defense bei einer Pass Interference: 15 Yards vom Previous Spot und automatic first down.
  • Helping the Runner: Der Ballträger darf nicht von seinen Teamkameraden vorwärts geschoben oder gezogen werden.
    Strafe: 5 Yards.
  • Roughing the Passer/Kicker: Quarterback (oder ein anderer offensichtlicher Passspieler), Holder und Kicker sind besonders verletzungsgefährdet, da sie sich auf bestimmte Aufgaben konzentrieren und heranstürmende Verteidiger oft nicht wahrnehmen. Sie werden daher vor vermeidbarem Kontakt geschützt. Der Schutz für den Passspieler beginnt erst, wenn er den Pass geworfen hat.
    Strafe: 15 Yards und automatic first down.
  • Running into the Kicker: Da der Kicker nach dem Kick kein Gleichgewicht hat und daher auch keine Verteidigungsposition einnehmen kann, wird er auch vor unbeabsichtigtem Kontakt geschützt.
    Strafe: 5 Yards.
  • Facemask: Aufgrund der Verletzungsgefahr ist der Griff ins Gesichtsgitter und jede andere Helmöffnung verboten.
    Strafe: 15 Yards
  • Clipping: Blocken von hinten und unterhalb der Gürtellinie ist nur in einem eng umgrenzten Bereich erlaubt (Clipping-Zone). Blocken unterhalb der Knie von hinten ist generell verboten.
    Strafe: 15 Yards für beide Seiten, automatic first down, wenn durch Defense.
  • Chop Block: Ein kombinierter Hoch/Tief-Block durch zwei Spieler
    Strafe: 15 Yards für beide Seiten, automatic first down, wenn durch Defense.
  • Spearing: Illegales Benutzen des Helmes.
    Strafe: 15 Yards für beide Seiten, automatic first down, wenn durch Defense.
  • Late Hit: Wenn der Spielzug erkennbar beendet ist oder ein Spieler offensichtlich nicht mehr am Spielgeschehen teilnimmt, ist ein Hit nicht mehr erlaubt.
    Strafe: 15 Yards für beide Seiten, automatic first down, wenn durch Defense, ggf. mit Platzverweis und Sperre verbunden.
  • Unnecessary Roughness: Jede übertriebene Härte, speziell gezielte Hits nach dem Spielzug. Auch wenn Football ein physischer Sport ist, soll der Kontakt innerhalb des Sportlichen bleiben.
    Strafe: 15 Yards für beide Seiten, automatic first down, wenn durch Defense, ggf. mit Platzverweis und Sperre verbunden.
  • Unsportsmanlike Conduct: Unsportliches Verhalten wie Beleidigen oder Verspotten des Gegner oder der Referee.
    Strafe: 15 Yards für beide Seiten, automatic first down, wenn durch Defense, ggf. mit Platzverweis und Sperre verbunden. Beim Touchdown wird die Strafe beim PAT durchgeführt.

Schiedsrichter

Aufgrund der Komplexität und des oft unübersichtlichen Spielgeschehens gibt es beim American Football eine ganze Schiedsrichter-Crew. Sie besteht aus mindestens drei im Jugendbereich, aus grundsätzlich fünf in den Amateurligen normalerweise fünf und sieben Schiedsrichtern in den höheren Ligen. Jeder Schiedsrichter beobachtet einen bestimmten Bereich des Spielfeldes und ist für spezielle Aufgaben zuständig.

Oberschiedsrichter ist der Referee – auch  Whitecap genannt und erkennbar an seiner weißen Kappe. Er positioniert sich im Backfield der Offense und richtet über Downs und Strafen. Weitere Schiedsrichter sind der Umpire, welcher sich jeweils zwischen oder hinter den Linebackers aufstellt, den Ball sichert und für den nächsten Spielzug positioniert. An die Line of Scrimmage stellen sich jeweils der Linesman und Line Judge. Ersterer ist für die Pflicht-Kette (Line to gain indicator) verantwortlich, Letzterer für eine optionale Kette. Für die weiten Pässe sind Back Judge, Field Judge und Side Judge zuständig.

Zur Ausrüstung der Schiedsrichter gehören unter anderem die gelben Flaggen zum Markieren eines Fouls und die weißen Beanbags (Bohnensäcke) zum Markieren wichtiger Spots.

Coach-Callenge

Die NFL ist bis heute eine der wenigen Sportligen, in denen der Videobeweis zur Überprüfung strittiger Szenen eingeführt wurde. Zweimal pro Spiel kann ein Coach eine solche Überprüfung durch das Werfen einer roten Flagge auf das Spielfeld beantragen, sodass die fragliche Entscheidung, sofern ihm recht gegeben wird, revidiert wird. Wenn der Coach bei beiden Challenges Recht bekommt, erhält das Team eine dritte. Wenn ein Team kein Time-Out mehr hat, darf es den Spielzug nicht challengen.

Eine verlorene Challenge resultiert in der Aberkennung eines time outs. Nach der Two Minute Warning kann nur noch der Oberschiedsrichter und der offizielle Spielerbeobachter eine Challenge beantragen.